Hochmittelalterliche Silberbergwerke
Die Hochmittelalterlichen Silberbergwerke Dippoldiswalde wurden zwischen 1180 und 1280 betrieben. Sie stellen eine der wichtigsten und zugleich seltensten Quellen für die Erforschung des mittelalterlichen Bergbaus und der angewendeten Bergbautechnik im europäischen Kontext sowie dessen Niedergang im Erzgebirge im 14. Jahrhundert dar. Im Museum für mittelalterlichen Bergbau (MiBERZ) in Dippoldiswalde werden die 800 Jahre alten und seltenen Ausstellungsstücke aus den Bergwerken präsentiert.
Es wird angenommen, dass die Gründung von Dippoldiswalde auf die Zeit um 1155/60 zurückgeht. Sehr wahrscheinlich wurden Silberbergwerke seit dem 12. Jahrhundert, sowohl außerhalb, als auch in manchen Fällen innerhalb der Stadtgrenzen betrieben. Der mittelalterliche Bergbau dehnte sich in NNO-SSW Richtung über 1500 m und in O-W Richtung über 450 m aus. Archäologische Gutachten deuten darauf hin, dass der Bergbau um 1180 seinen Anfang nahm und um 1260 eingestellt wurde. Die Funde der mittelalterlichen Silberbergwerke von Dippoldiswalde sind für eine montanarchäologische Forschung in Sachsen, Deutschland und Europa von entscheidender Bedeutung.
Im Bereich des Obertorplatzes wurde eine 2 x 2,2 m große und bis in 22 m Tiefe reichende Haspelkammer mit Haspel und Wassergerinne entdeckt. Die auf einen geneigten Blindschacht aufgesetzte hölzerne Haspel (1,6 m lang, 1,6 m breit, 2,0 m hoch) war erhalten geblieben. Insgesamt 25 einzelne Fragmente sind hiervon überliefert, u. a. der aus Tannenholz gefertigte Baum der Haspel mit den buchhölzernen Stützen, diverse Planken, Platten, Pflöcke und Holzkeile. Beidseitig der Haspel waren Planken für Standflächen der Bergleute ausgelegt. Aus zwei geborgenen Hölzern konnte die Haspel auf das Jahr 1220 datiert werden, was sie mit ihrem Erhaltungszustand zur ältesten ihrer Art in der montanen Archäologieforschung Europas macht. In einem Blindschacht wurde eine 5,14 m lange und nur 0,24 m breite Fahrt (Leiter) entdeckt. Eine weitere komplexe Entdeckung zeigt das Sammeln und in einigen Fällen über ein Abflusssystem bewerkstelligte Zusammenführen von Regen- und Formationswasser, welches anschließend in Lederbehältnissen und über Haspeln zutage gefördert wurde.
Präsentiert mit freundlicher Unterstützung von:
Welterbe Montanregion Erzgebirge e.V.