Wellner-Mühle
Die am nördlichen Ende des Dorfes Niederzwönitz gelegene Herrenmühle findet bereits um 1600 auf alten Kartenrissen Erwähnung.
Sie wird beschrieben als „des Junkern [Schönberg] Mühle mit 2 Gängen und Brodmühle“. Auf der Mühle lag ein sogenannter Mahlzwang, welcher die Untertanen verpflichtete ihr Getreide in dieser Mühle mahlen zu lassen. Auch Brot durfte gebacken werden. Das Wasser für das oberschächtige Wasserrad im hölzernen Anbau wurde aus dem Zwönitzbach abgezweigt und in einem 850 Meter langen Mühlgraben (Obergraben) herangeführt. Den Abfluss bildete der 200 m lange Untergraben. Ab 1862 werden andere Mühlenbesitzer nachgewiesen. Der Gemeinderat Niederzwönitz entschied sich um 1900 für den Bau eines gemeindeeigenen Elektrizitätswerkes an Stelle dieses Mühlenbetriebes. Nach dem Ankauf sollte ein zweigeschossiges Gebäude mit einem Anbau errichtet werden. Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes mussten eine Werkstatt, ein Akkumulatorenraum und ein Kohlelagerraum Platz finden. Ein Anbau mit Schornstein war für das Aufstellen des Lokomobils und der Turbine gedacht. Baubeginn war im August 1904. Die Zwönitzer Baufirma Otto errichtete die Gebäude. Installation der elektrischen Betriebsanlage mit Herstellung der Leitungen (2 x 220 Volt Gleichstromnetz) nahm die Firma Pöge aus Chemnitz vor. Durch eine optimal geplante Trassenführung der Leitungen konnten alle Gebäude in der Gemeinde mit Strom versorgt werden. Dieses Leitungssystem wurde bis an die Zwönitzer Stadtgrenze gebaut. Am 1. Dezember 1904 nahm das Elektrizitätswerk Niederzwönitz den Betrieb auf. Der erste Betriebsleiter war Ernst Hugo Dietrich. Die Gemeinde prosperierte mit und durch das E-Werk. Trotzdem entschied sich der Gemeinderat für den Verkauf des E-Werkes an die „Zwickauer Elektrizitätswerk- und Straßenbahn – Aktiengesellschaft“. Der Verkauf erfolgte im Frühjahr 1910. Die Gemeinde vergab das Wasserkraftnutzungsrecht nach der Stilllegung und die Gebäude Herrn Franz Eli Wellner. Die Wellner-Mühle arbeitete als Holzschleiferei, Schneidemühle, Lohmühle. Noch 1951 wird von der Haferflockenproduktion berichtet. Nach Umbauten fertigte bis 1990 der VEB Strickwaren Jahnsdorf hier Textilwaren. Das ehemalige E-Werk wurde nach Leerstand 2003 abgerissen. Das ursprüngliche Mühlengebäude ist erhalten geblieben.
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