Wegbeschreibung
1 - VILLA RICHARD HARTMANN
Kaßbergstraße 36
Chemnitz ist eine Stadt mit einer bedeutsamen industriellen Vergangenheit. Als einer der bekanntesten Industriellen der Stadt gilt Richard Hartmann.
Als sogenannter „Lokomotivkönig“ ging er in die Geschichte ein und hinterließ unter anderem die 1868 errichtete Fabrikanten-Villa. Dieses herrschaftliche Symbol des Hartmann-Imperiums diente von 1890 bis 1930 als Direktorenvilla und wird seit 1956 als Jugendzentrum genutzt.
Richard Hartmann wurde am 8. November 1809 in Barr im Elsaß geboren und stammt aus einer weinbäuerlichen Familie.
Er fand 1832 im damals größten Industrieunternehmen C. G. Hauboldt in Chemnitz schnell Arbeit. Dort erklomm er die Karriereleiter und wurde so zum Begründer der größten sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz.
2 - KARL-SCHMIDT-ROTTLUFF-GYMNASIUM
Hohe Straße 25
Das ehemalige Königliche Gymnasium wurde 1871/72 von Bezirksbaumeister Hugo Nauck im Stil des Historismus erbaut. Hier legte 1905 der Brücke- Künstler Karl Schmidt-Rottluff sein Abitur ab.
Dieser gilt heute als einer der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts und ist Mitbegründer und Mitglied der Künstlergruppe „Brücke“. Diese Künstlergruppe war jedoch nur von kurzer Dauer: Bereits 8 Jahre nach der Gründung wurde sie im Jahr 1913 wieder aufgelöst. Heute zählt sie zu einer der ältesten deutschen Künstlergruppen, welche die klassische Moderne durch den von ihnen entwickelten deutschen Expressionismus entscheidend geprägt haben.
Das Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium hat seit Erbau die verschiedensten Namen getragen. Im Jahr 2002 hat man sich letzendlich für den heute aktuellen Namen Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium entschieden, in Gedenken an den Namensgeber und berühmten Expressionisten Karl-Schmidt-Rottluff.
Weitere berühmte Schüler sind u. a. die Literaten Stefan Heym und Stephan Hermlin.
3 - OBERPOSTDIREKTION
Reichsstraße 11
Das Bauwerk wurde bis 1904 im Übergangsstil zwischen Gotik und Renaissance errichtet und stellt einen Glanzpunkt des Kaßberges mit Fassadenornamentik, kunstvollen Glasmosaiken, sächsischem und Chemnitzer Wappen sowie Sinnbildern von Post und Telegrafie dar. Die aus Sandstein gearbeitete neugotischen Tür- und Fenstergewände, Pilaster und Kreuzblumen verteilen sich über alle Fassaden bis hinauf zu den märchenhaft verspielten Reliefs der Zwerchgiebel. Die prachtvollen Ornamente sind noch heute recht gut erhalten.
Am 1. Juli 1897 wurde die Einrichtung einer Oberpostdirektion in Chemnitz beschlossen und so wurde 1902 mit der Errichtung am Stephansplatz begonnen. 1904 konnte das Bauwerk eingeweiht werden. Es besteht aus 5 Flügeln, die einen Innenhof umschließen.
Das Gebäude wurde während der Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg zwischen 1944 und 1945 schwer beschädigt. Nach Bausicherungsmaßnahmen zog in das Gebäude die Betriebsberufsschule für Fernmeldewesen der Deutschen Post ein. Ab 2019 wurde das Gebäude in eine Senioren-Wohn- & Tagespflege der advita umgebaut und im Sommer 2021 eröffnet.
4 - MARIANNE-BRANDT-HAUS
Heinrich-Beck-Straße 22
Das Anwesen, in dem die Bauhaus-Künstlerin Marianne Brandt von 1954 bis 1976 wohnte, wurde 1889 von Paul Doederlein im Neorenaissance-Stil errichtet.
Die 1893 in Chemnitz geborene Marianne Brandt gilt als wohl bedeutendste deutsche Metallgestalterin. Sie studierte in den 1920er Jahren am Bauhaus in Weimar und Dessau. Sie entwarf hauptsächlich Gebrauchsgeräte wie Tee-Extraktkännchen, Aschenbecher oder Tee- und Kaffeeservice. Damit hat Marianne Brandt die Produktgestaltung des 20. Jahrhunderts wesentlich mitbestimmt.
Produkte nach ihren Entwürfen sind in renommierten Museen auf der ganzen Welt ausgestellt, so zum Beispiel im Museum of Modern Art in New York. Zum großen Teil werden sie unverändert noch heute in Serie produziert.
Heute befindet sich im Haus die Geschäftsstelle der Marianne-Brandt-Gesellschaft, welche in zwei Galerieräumen auf das Leben und das Werk der Künstlerin eingeht und dieses facettenreich darstellt.
5 - MAJOLIKA-HÄUSER
Barbarossastraße 48-52
Der Name bezieht sich dabei auf die farbigen, glasierten Keramikfließen – die sogenannten Majolika, womit das Gebäude verziert ist.
Diese Technik stammt ursprünglich aus der italienischen Renaissance und wurde im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert besonders im Jugendstil verwendet. Die Majolika-Häuser auf dem Kaßberg in Chemnitz sind ein Beispiel für diese kunstvolle Gestaltung.
Diese Bauweise diente nicht nur der Ästhetik, sondern schützte die Fassaden auch vor Witterungseinflüssen.
Die Häuser wurden 1897/98 als frühe Jugendstilbauten vom Architekten und Bauunternehmer Reinhold Siebert errichtet. Die Bürgerhäuser gehören zu den markantesten Jugendstilbauten auf dem Kaßberg und sind ein Glanzstück städtischer Baukunst.
6 - HELENENHOF
W.-Oertel-Straße/E.-Mühsam-Straße/G.-Landgraf-Straße
Der Helenenhof ist eine denkmalgeschützte Wohnanlage, die in den 1920er Jahren durch den genossenschaftlichen Zusammenschluss von Handwerkern und Architekten errichtet wurde.
Sie gilt als wegweisend für großzügiges Bauen in den 1920er Jahren, überzeugende architektonische Leistung des Neuen Bauens mit expressionistischen Anklängen sowie Stilelementen des Art-Deco.
Während zur damaligen Zeit vielerorts noch immer Quartiere für die Stadtbevölkerung entstanden, deren Wohnungen sich meistens zu mehrere gestaffelte und lichtarme Hinterhöfe gruppierten, bot der Helenenhof seinen Bewohnern schon immer Licht, Raum und Luft.
Zwischen 2001 und 2003 wurde die Wohnanlage umfassend saniert und gilt heute als ein attraktiver Wohnort. Um das ursprüngliche Erscheinungsbild des Helenenhofs wiederherzustellen, entschied man sich dabei für warme mineralische Farbtöne.
7 - KYFFHÄUSERBURG
Hübschmannstraße 19
Die Kyffhäuser wurden zwischen 1909 und 1910 im wilhelminischen Zeitgeist errichtet mit Anknüpfungen an die Kyffhäuser-Sage.
Diese Sage, auch unter dem Namen Barbarossa-Sage bekannt, hat ihre Wurzeln im Mittelalter und der Romantik. Sie spiegelt die Sehnsucht nach einem starken, gerechten Herrscher und einem geeinten Deutschland wider und wurde im 19. Jahrhundert zu einer Nationalsage, die Freiheitsbestrebungen und nationale Einigung symbolisierte.
Von hier aus können Sie einen kleinen Abstecher zur Gustav- Adolf-Straße machen, wo Sie die „Märchenhäuser" im Sinne des Jugendstils sehen können
8 - STEFAN-HEYM-HAUS
Hoffmannstraße 58-60
„Wer die Freiheit anderer vernichten will, verdient die eigene Freiheit nicht.“ Schrieb einst der Namensgeber des Hauses: Stefan Heym.
Er wird als jemand beschrieben, der sich stets mit seiner Umwelt auseinandergesetzt hat und Kritik an der Gesellschaftsordnung übte.
Das Gebäude in der Hoffmannstraße wurde 1912 mit luxuriösen Wohnungen von bis zu 300 m² Grundfläche erbaut. Von 1919 bis 1931 wohnte dort im Erdgeschoss einer der berühmtesten Söhne der Stadt, der Schriftsteller Stefan Heym.
9 - LERN- UND GEDENKORT KASSBERG-GEFÄNGNIS
Kaßbergstraße 16c
„Mit dem heutigen Tag geht ein Wunsch vieler Leidensgenossen und von mir in Erfüllung, das Kaßberg-Gefängnis wird nach langem Warten Gedenkstätte und ein richtiger Lern- und Gedenkort zur Aufarbeitung der Vergangenheit.“ So der Zeitzeuge Michael Schlosser. Doch was genau ist damit nun gemeint?
Das Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz ist als einstiger Abwicklungsort des Häftlingsfreikaufs aufseiten des ostdeutschen Regimes ein wichtiger Erinnerungsort an DDR-Unrecht und die deutsche Teilung. Für die meisten der mehr als 33.000 politischen Gefangenen, die zwischen 1962 und1963 und 1989 von der Bundesregierung aus der Haft in der DDR freigekauft wurden, ging es von hier aus in die Freiheit. Außerdem diente der Gebäudekomplex als Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit und zuvor des sowjetischen Geheimdienstes NKWD. In der Zeit des Nationalsozialismus waren im Kaßberg-Gefängnis Angehörige unterschiedlicher Verfolgtengruppen eingesperrt.
Der Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis versteht sich als ein Anlaufpunkt und Ort der Begegnung für Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Über den Gedenkort wird enger Kontakt zu früheren politischen Haftinsassinnen und Haftinsassen gehalten. Ihre Biografien und Haftschicksale stehen im Mittelpunkt der Dauerausstellung im Lernort im früheren Hafttrakt B. Sie sind ein zentraler Teil des Bildungsprogramms. Im Archiv werden darüber hinaus Lebensläufe aus allen Haftepochen gesammelt und werden für Besucherinnen und Besucher in einem Rechercheraum zugänglich gemacht.
Der Zugang zum Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis befindet sich im Innenhof mit Informationsmöglichkeiten.
Öffnungszeiten siehe: gedenkort-kassberg.de