Stadtrundgang
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Stadtrundgang über den Kaßberg - Chemnitzer Gründerzeit & Jugendstil

Entdecken Sie eines der größten zusammenhängenden Jugendstil- und Gründerzeitviertel Europas bei einem individuellen Stadtrundgang. Außerdem lohnt sich ein Besuch im Herbst 2023 eröffneten Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis.

Chemnitz als Industriemetropole war Anziehungspunkt und Heimat vieler Industrieller, die ihren Erfolg auch in repräsentativen Firmenbauten, noblen Jugendstilvillen und dekorativen Gründerzeitbauten zum Ausdruck brachten. Dekorative Fassaden mit viel Liebe zum Detail prägen ganze Straßenzüge. Zentrumsnah und in exponierter Höhenlage, zählt das Viertel heute nicht nur bei jungen Familien zu den beliebtesten Wohnquartieren und lässt kulinarisch keinen Wunsch offen.

Der Kaßberg ist nicht nur wegen seiner Architektur beliebt– auch als Ort des Zusammenlebens erfreut er sich größter Beliebtheit. So gibt es hier einige exklusive Geschäfte und kleine Lädchen, wie etwa die Papeterie Haamit.

Im Anschluss des Rundgangs empfiehlt sich der Besuch im Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis.

Das ehemalige Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz ist als einstiger Abwicklungsort des Häftlingsfreikaufs aufseiten des ostdeutschen Regimes ein wichtiger Erinnerungsort an DDR-Unrecht und deutsche Teilung. Für die meisten der mehr als 33.000 politischen Gefangenen, die zwischen 1962/1963 und 1989 von der Bundesregierung aus der Haft in der DDR freigekauft wurden, ging es von hier aus in die Freiheit. Außerdem diente der Gebäudekomplex als Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit und zuvor der sowjetischen Geheimpolizei NKWD/MGB. In der Zeit des Nationalsozialismus waren im Kaßberg-Gefängnis Angehörige unterschiedlicher Verfolgtengruppen eingesperrt.

Im Oktober 2023 öffnete im früheren Hafttrakt B ein Lernort mit Dauerausstellung. Im Zentrum stehen Schickale von ehemaligen Haftinsassinnen und Haftinsassen der verschiedenen Zeitabschnitte. Ihre Lebensgeschichten werden in den einstigen Zellen mit Fotos, Dokumenten, Gegenständen und zahlreichen Video-Interviews erzählt. Bereits seit 2017 gibt es den Gedenkort an der früheren Außenmauer des Gefängnisses. Dort sind Mauersegmente und ein Wachturm erhalten geblieben. Ein Außenrundgang über das ehemalige Gefängnisgelände verbindet den Gedenkort und den Lernort miteinander. Er erinnert an die Nutzung des Geländes in der Vergangenheit und an verschwundene Gebäudeteile.

Wegbeschreibung

1 - VILLA RICHARD HARTMANN

Kaßbergstraße 36

Chemnitz ist eine Stadt mit einer bedeutsamen industriellen Vergangenheit. Als einer der bekanntesten Industriellen der Stadt gilt Richard Hartmann.

Als sogenannter „Lokomotivkönig“ ging er in die Geschichte ein und hinterließ unter anderem die 1868 errichtete Fabrikanten-Villa. Dieses herrschaftliche Symbol des Hartmann-Imperiums diente von 1890 bis 1930 als Direktorenvilla und wird seit 1956 als Jugendzentrum genutzt.

Richard Hartmann wurde am 8. November 1809 in Barr im Elsaß geboren und stammt aus einer weinbäuerlichen Familie.

Er fand 1832 im damals größten Industrieunternehmen C. G. Hauboldt in Chemnitz schnell Arbeit. Dort erklomm er die Karriereleiter und wurde so zum Begründer der größten sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz.

2 - KARL-SCHMIDT-ROTTLUFF-GYMNASIUM

Hohe Straße 25

Das ehemalige Königliche Gymnasium wurde 1871/72 von Bezirksbaumeister Hugo Nauck im Stil des Historismus erbaut. Hier legte 1905 der Brücke- Künstler Karl Schmidt-Rottluff sein Abitur ab.

Dieser gilt heute als einer der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts und ist Mitbegründer und Mitglied der Künstlergruppe „Brücke“. Diese Künstlergruppe war jedoch nur von kurzer Dauer: Bereits 8 Jahre nach der Gründung wurde sie im Jahr 1913 wieder aufgelöst. Heute zählt sie zu einer der ältesten deutschen Künstlergruppen, welche die klassische Moderne durch den von ihnen entwickelten deutschen Expressionismus entscheidend geprägt haben.

Das Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium hat seit Erbau die verschiedensten Namen getragen. Im Jahr 2002 hat man sich letzendlich für den heute aktuellen Namen Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium entschieden, in Gedenken an den Namensgeber und berühmten Expressionisten Karl-Schmidt-Rottluff.

Weitere berühmte Schüler sind u. a. die Literaten Stefan Heym und Stephan Hermlin. 

3 - OBERPOSTDIREKTION

Reichsstraße 11

Das Bauwerk wurde bis 1904 im Übergangsstil zwischen Gotik und Renaissance errichtet und stellt einen Glanzpunkt des Kaßberges mit Fassadenornamentik, kunstvollen Glasmosaiken, sächsischem und Chemnitzer Wappen sowie Sinnbildern von Post und Telegrafie dar. Die aus Sand­stein ge­ar­bei­tete neu­go­ti­schen Tür- und Fens­ter­ge­wände, Pilaster und Kreuz­blu­men ver­tei­len sich über alle Fas­sa­den bis hin­auf zu den mär­chen­haft ver­spiel­ten Re­li­efs der Zwerch­gie­bel. Die prachtvollen Ornamente sind noch heute recht gut erhalten.

Am 1. Juli 1897 wurde die Einrichtung einer Oberpostdirektion in Chemnitz beschlossen und so wurde 1902 mit der Errichtung am Stephansplatz begonnen. 1904 konnte das Bauwerk eingeweiht werden. Es besteht aus 5 Flügeln, die einen Innenhof umschließen.

Das Ge­bäude wurde wäh­rend der Luft­an­griffe im Zwei­ten Welt­krieg zwischen 1944 und 1945 schwer be­schä­digt. Nach Bau­si­che­rungs­maß­nah­men zog in das Ge­bäude die Be­triebs­be­rufs­schule für Fern­mel­de­we­sen der Deut­schen Post ein. Ab 2019 wurde das Ge­bäude in eine Senioren-Wohn- & Ta­ges­pflege der ad­vita um­ge­baut und im Som­mer 2021 er­öff­net.

4 - MARIANNE-BRANDT-HAUS

Heinrich-Beck-Straße 22

Das Anwesen, in dem die Bauhaus-Künstlerin Marianne Brandt von 1954 bis 1976 wohnte, wurde 1889 von Paul Doederlein im Neorenaissance-Stil errichtet.

Die 1893 in Chemnitz geborene Marianne Brandt gilt als wohl bedeutendste deutsche Metallgestalterin. Sie studierte in den 1920er Jahren am Bauhaus in Weimar und Dessau. Sie entwarf hauptsächlich Gebrauchsgeräte wie Tee-Extraktkännchen, Aschenbecher oder Tee- und Kaffeeservice. Damit hat Marianne Brandt die Produktgestaltung des 20. Jahrhunderts wesentlich mitbestimmt.

Produkte nach ihren Entwürfen sind in renommierten Museen auf der ganzen Welt ausgestellt, so zum Beispiel im Museum of Modern Art in New York. Zum großen Teil werden sie unverändert noch heute in Serie produziert.

Heute befindet sich im Haus die Geschäftsstelle der Marianne-Brandt-Gesellschaft, welche in zwei Galerieräumen auf das Leben und das Werk der Künstlerin eingeht und dieses facettenreich darstellt.

5 - MAJOLIKA-HÄUSER

Barbarossastraße 48-52

Der Name bezieht sich dabei auf die farbigen, glasierten Keramikfließen – die sogenannten Majolika, womit das Gebäude verziert ist.

Diese Technik stammt ursprünglich aus der italienischen Renaissance und wurde im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert besonders im Jugendstil verwendet. Die Majolika-Häuser auf dem Kaßberg in Chemnitz sind ein Beispiel für diese kunstvolle Gestaltung.

Diese Bauweise diente nicht nur der Ästhetik, sondern schützte die Fassaden auch vor Witterungseinflüssen.

Die Häuser wurden 1897/98 als frühe Jugendstilbauten vom Architekten und Bauunternehmer Reinhold Siebert errichtet. Die Bürgerhäuser gehören zu den markantesten Jugendstilbauten auf dem Kaßberg und sind ein Glanzstück städtischer Baukunst.

6 - HELENENHOF

W.-Oertel-Straße/E.-Mühsam-Straße/G.-Landgraf-Straße

Der Helenenhof ist eine denkmalgeschützte Wohnanlage, die in den 1920er Jahren durch den genossenschaftlichen Zusammenschluss von Handwerkern und Architekten errichtet wurde.

Sie gilt als wegweisend für großzügiges Bauen in den 1920er Jahren, überzeugende architektonische Leistung des Neuen Bauens mit expressionistischen Anklängen sowie Stilelementen des Art-Deco.

Während zur damaligen Zeit vielerorts noch immer Quartiere für die Stadtbevölkerung entstanden, deren Wohnungen sich meistens zu mehrere gestaffelte und lichtarme Hinterhöfe gruppierten, bot der Helenenhof seinen Bewohnern schon immer Licht, Raum und Luft.

Zwischen 2001 und 2003 wurde die Wohnanlage umfassend saniert und gilt heute als ein attraktiver Wohnort. Um das ursprüngliche Erscheinungsbild des Helenenhofs wiederherzustellen, entschied man sich dabei für warme mineralische Farbtöne.

7 - KYFFHÄUSERBURG

Hübschmannstraße 19

Die Kyffhäuser wurden zwischen 1909 und 1910 im wilhelminischen Zeitgeist errichtet mit Anknüpfungen an die Kyffhäuser-Sage.

Diese Sage, auch unter dem Namen Barbarossa-Sage bekannt, hat ihre Wurzeln im Mittelalter und der Romantik.  Sie spiegelt die Sehnsucht nach einem starken, gerechten Herrscher und einem geeinten Deutschland wider und wurde im 19. Jahrhundert zu einer Nationalsage, die Freiheitsbestrebungen und nationale Einigung symbolisierte. 

Von hier aus können Sie einen kleinen Abstecher zur Gustav- Adolf-Straße machen, wo Sie die „Märchenhäuser" im Sinne des Jugendstils sehen können

8 - STEFAN-HEYM-HAUS

Hoffmannstraße 58-60

„Wer die Freiheit anderer vernichten will, verdient die eigene Freiheit nicht.“ Schrieb einst der Namensgeber des Hauses: Stefan Heym.

Er wird als jemand beschrieben, der sich stets mit seiner Umwelt auseinandergesetzt hat und Kritik an der Gesellschaftsordnung übte.

Das Gebäude in der Hoffmannstraße wurde 1912 mit luxuriösen Wohnungen von bis zu 300 m² Grundfläche erbaut. Von 1919 bis 1931 wohnte dort im Erdgeschoss einer der berühmtesten Söhne der Stadt, der Schriftsteller Stefan Heym.

 

9 - LERN- UND GEDENKORT KASSBERG-GEFÄNGNIS

Kaßbergstraße 16c

„Mit dem heutigen Tag geht ein Wunsch vieler Leidensgenossen und von mir in Erfüllung, das Kaßberg-Gefängnis wird nach langem Warten Gedenkstätte und ein richtiger Lern- und Gedenkort zur Aufarbeitung der Vergangenheit.“ So der Zeitzeuge Michael Schlosser. Doch was genau ist damit nun gemeint?

Das Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz ist als einstiger Abwicklungsort des Häftlingsfreikaufs aufseiten des ostdeutschen Regimes ein wichtiger Erinnerungsort an DDR-Unrecht und die deutsche Teilung. Für die meisten der mehr als 33.000 politischen Gefangenen, die zwischen 1962 und1963 und 1989 von der Bundesregierung aus der Haft in der DDR freigekauft wurden, ging es von hier aus in die Freiheit. Außerdem diente der Gebäudekomplex als Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit und zuvor des sowjetischen Geheimdienstes NKWD. In der Zeit des Nationalsozialismus waren im Kaßberg-Gefängnis Angehörige unterschiedlicher Verfolgtengruppen eingesperrt.

Der Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis versteht sich als ein Anlaufpunkt und Ort der Begegnung für Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Über den Gedenkort wird enger Kontakt zu früheren politischen Haftinsassinnen und Haftinsassen gehalten. Ihre Biografien und Haftschicksale stehen im Mittelpunkt der Dauerausstellung im Lernort im früheren Hafttrakt B. Sie sind ein zentraler Teil des Bildungsprogramms. Im Archiv werden darüber hinaus Lebensläufe aus allen Haftepochen gesammelt und werden für Besucherinnen und Besucher in einem Rechercheraum zugänglich gemacht.

Der Zugang zum Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis befindet sich im Innenhof mit Informationsmöglichkeiten.

Öffnungszeiten siehe: gedenkort-kassberg.de

Details zur ausgewählten Route
Schwierigkeit mittel
Strecke 4,5 km
Dauer 1:05 h
Aufstieg 40 m
Abstieg 21 m
Start
Start Villa Richard Hartmann, Kaßbergstraße 36
Ziel Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis, Kaßbergstraße 16 c
Details
Kondition
Schwierigkeit
Erlebnis
Beste Jahreszeit
Januar , Februar , März , April , Mai , Juni , Juli , August , September , Oktober , November , Dezember
Höhe
327 m
298 m
Eigenschaften
  • Einkehrmöglichkeit
  • kulturell / historisch
  • kinderwagengerecht
  • Von A nach B
Mehr Informationen finden Sie hier

Präsentiert mit freundlicher Unterstützung von:
Tourismusverband Chemnitz Zwickau Region e. V.

Tourismusverband Chemnitz Zwickau Region e. V.

Autor : CWE mbH / Tourist-Information Chemnitz