Historische Stätte

Erbgerichtsgut

Zwönitz

Der Kretscham, der Dorfgasthof mit Brauerei, war seit Urzeiten das Gut mit der größten Landfläche und zugleich Mittelpunkt aller Zusammenkünfte. Hier wurden jährlich die sog. Hegen- oder Rügengerichte abgehalten. 1624 entsprach der Kurfürst dem Dorfchemnitzer Gesuch nach der Verleihung der Erbgerichtsbarkeit. Im letzten Jahrzehnt des 30jährigen Krieges ging jene auf tragische Weise verloren, nachdem im Erbgericht 10 Personen durch die Pest starben. Der vereinsamte Erbrichter starb 6 Jahre später. Aus Furcht vor der Pest wurde das Gericht von den Einwohnern gemieden. George Hahn, der 20 Jahre später das Erbgericht übernahm, konnte das wüste Gut zu neuem Leben erwecken und die verlorengegangene Erbgerichtsbarkeit 1682 zurückerhalten. In einer Gesundungsperiode des Dorfes kam es 1733 zum Neuaufbau des Gerichtswohnhauses. Mit der Einführung der Sächs. Landesgemeindeordnung wurde die Erbgerichtsbarkeit 1838 durch einen gewählten Gemeindevorstand ersetzt. Das Gerichtsgut konnte durch F.G. Leßmüller saniert werden, musste jedoch von dessen Sohn nach Bränden und Unfällen an den Chemnitzer Industriellen Vogel verkauft werden. 1921 ließ dieser das alte Brauereigebäude abreißen und als Wohnhaus im äußerlich gleichen Stil wieder aufbauen. Nach 1945 wurden die Wirtschaftsgebäude und Flächen des Gerichtes durch die Bodenreform in lebensunfähige Größen aufgeteilt. Das denkmalgeschützte Ensemble des Erbgerichtes konnte nach der Wende durch private Investitionen als Schmuckstück des gewachsenen Dorfkernes erhalten werden.

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